Nach einem Mahjongabend mit der Mutter unseres Programmkoordinator Volker sind wir am Donnerstag Abend um 20.00 Uhr in den Intercitybus von Kandy nach Colombo gestiegen. Diese Fahrt dauerte um drei Stunden. Der Bus ist klein aber klimatisiert gewesen. Kurz vor Colombo ist der ganze Bus dann kontrolliert worden. Alle außer wir! Wir haben hier schlichtweg die falsche Hautfarbe, um gefährlich sein zu können. Selbst unseren Rucksäcken wurde keine Beachtung geschenkt. Kurz nach dem Ausstieg an der zentralen Busstation, mussten wir auf der Suche nach einem Tuctuc (gern hier auch Traischa oder Baja genannt) besagte Station umrunden, um schließlich beim selben Tuctuc-Fahrer zu landen. Während der Fahrt durch menschenleere Straßen wurden wir das zweite und dritte Mal kontrolliert. Einmal prüfte das Militär kurz den Grund unserer Fahrt anschließend wollte die gelangweilte Polizei unsere Kopien der Reisepässe nicht akzeptieren. Typisch asiatisch sagten sie aber nicht wirklich was, sondern verloren irgendwann die Lust an der Kontrolle als wir nicht nervös wurden. Nach diesem Polizeicheck steckte unserer Fahrer uns, dass die Polizisten Geld gewollt hätten. Pech! Erstmal muss man sagen, was man will, und zweitens hätten die auch von uns kein Geld gesehen. Die Vorbereitung bei ASA hat uns auf solche Situationen vorbereitet. Abgesehen davon stehen wir schon ein wenig unter dem Schutz der GTZ. Ein kurzes Intermezzo im Bistro Latino folgte.
Der Freitag morgen ging mit einem Frühstück im Lavina Café los. Köstliches dunkles Brot und echter Kaffee. Eine Deutsche führt den Laden. Wenn man schon mal in Colombo ist, kann man sich das mal gönnen. Wie schon fast üblich machten wir uns danach in den Barefoot auf. Ein Laden der sehr schöne Baumwollsachen verkauft. Von Tischdecken über Kleidung bis zum bunten Stofftier findet man hier alles, was das westliche Herz stoffliche begehrt. Sicher werde ich aus diesem Laden viele Mitbringsel rekrutieren können.
Um 14 Uhr hatten wir den Landeskundeworkshop Teil 2. Inhalt dieser Veranstaltung war das bürokratische System Sri Lankas. Eine komplizierte Katastrophe fasst es gut zusammen. Doppelte bis vierfache Verantwortlichkeiten blockieren einen vernünftigen bürokratischen Prozess. Dagegen ist unsere Föderalismusdiskussion Kindergeburtstag J. Das schlimmste ist das sich Sri Lanka nur selbst nachhaltig wird helfen. Internationals können da nicht wirklich was machen. Bevor nicht der ethnische Konflikt im Land gelöst ist, wird sich hier nichts bewegen. Traurig aber wahr. Das frustrierende Workshopthema kompensierten wir mit dem Besuch im ODEL, einem Outletstore, der eine breite Palette an Produkten, die wahrscheinlich in Sri Lanka produziert werden, führt. Meist wurde versucht, das Branding zu entfernen. Die einschlägigen Konzerne erkennt man aber noch.
Nach dem Abendessen trug es uns auf die Dächer Colombos. Die Tantrabar war unser Ziel. Die Örtlichkeit war sehr schön. Leider waren unsere Freunde von der international Community schon alle da. Naja, man hat es eben besonders in Colombo schwer Kontakt zu normalen (im Sinne von repräsentativ) Einheimischen zu bekommen. Gin-Tonic und Bier schmeckten trotzdem.
Samstag war Ausschlafen angesagt. Der klimatisierte Raum in der Luxus-WG von Katrins Freundin, Pia, ließ dies auch zu. Ein herzliches Dankeschön gilt den Damen dieser WG für die Gastfreundschaft!! Ein kleiner Shoppingbummel am Nachmittag ließ die kreativen Kräfte für die anvisierte T-Party am Abend zwar nicht explodieren; dennoch waren wir am Abend als T-uctuc-Driver und T-ouristin verkleidet anzutreffen.
Die Partygemeinde hatte sich zu meiner Überraschung zum Teil wirklich äußerst kreativ verkleidet. Von der lebensgroßen Krawatte (T-ie) über die bis ins letzte Detail durchdachten Kostümierung einer Lehrerin (T-eacher) bis zur Tsunami-Schutzhütte (T-sunami shelter) reichte der Einfallsreichtum der Gäste. Diese hatten aber teilweise bizzare Persönlichkeiten. Weder der Arbeitgeber (GTZ, ABS, Berghof Institut oder die Sparkassenstiftung etc.) noch das Alter (22 – ca. 50) war ein Indikator für Sympathie oder Antipathie. Wie auf jeder Party streute sich das Spektrum von schwer zu ertragen bis wirklich sympathisch. Dennoch konnte man allzu leicht vergessen, wo man sich befand. Wahrscheinlich normal in der Branche aber sicher nicht wünschenswert. In einem noblen Haus irgendwo in Colombo vergisst man doch schnell, was dieses Land eigentlich prägt. Kurz vor dem Ende der Party wurde ich dann noch in der Küche mit meinem Spitznamen konfrontiert. In Sri Lanka tausende Kilometer von „good old germany“ entfernt, weiß plötzlich jemand meinen Spitznamen. Herzlichen Dank Herr Müller für diese ErfahrungJ! Sei froh, dass Du nur netten jungen Damen über mich erzählt hast.
Sonntag haben wir in der WG gefrühstückt bevor es dann zum Jazzbrunch ins Barefoot ging. Ein Jazzquartett spielte sehr solide Jazzstandards aller Art. Die Expat-Gemeinde war auch wieder da. Wieder in Kandy zu sein, war nach der Busfahrt am Abend in doppelter Hinsicht sehr erfrischend. Es war kühler und irgendwie mehr Sri Lanka. Gut, dass wir in Kandy arbeiten!
Bilder dieses Wochenendes findet ihr hier.